Über Intention, reine Absicht und Wahrhaftigkeit

By (author) İmam Gazali Spohr

16,10

Mit dem vorliegenden Titel wollen wir die Reihe der Herausgabe jener „Wiederbelebung der Religionswissenschaften“ – Ihyâ’ ‘ulûm ad-dîn –, des 40 Bücher umfassenden Hauptwerks Abû Hâmid Muham-mad al-Ghazâlîs fortsetzen, das seit 900 Jahren zu den wichtigsten Werken der islamischen Tradition zählt und sich wie kein zweites unter den Muslimen auf der ganzen Welt größter Wertschätzung erfreut.

Das Buch über „Intention, reine Absicht und Wahrhaftigkeit“ (kitâb an-niyyah wa l-ikhlâs wa s-sidq), ein strahlender Stern am Himmel des literarischen Erbes der Menschheit im allgemeinen und des der Muslime im besonderen, rückt die Grundfragen dessen in den Blick, was eine Handlung zu einer guten macht, durch welches seiner Momente sie vom Herrn der Universen akzeptiert, ja geliebt wird und was es ist, wodurch wir als Handelnde zu wahren Menschen werden, mit einer Ehre bekleidet, die von den Himmeln kommt.

Gute tausend Jahre bevor der deutsche Philosoph Immanuel Kant mit dem guten Willen die Absicht als das wesentliche Kriterium der Moralität einer Handlung erkannte, war dieses alles-entscheidende Prinzip jeden Tuns und (intendierten) Lassens von Sayyidinâ Muhammad (s), dem Propheten des Islams, der Menschheit verkündet worden.

Er berichtet beispielsweise (vgl. u. S. 26), daß, wenn die Engel dem Herrn der Welten Berichte über gute Werke eines Menschen auf versiegelten Blättern vorlegen, dieser oftmals sagt: „Werft dieses Blatt weg, denn er hat mit dem, was darauf steht, nicht mein Antlitz gesucht.“ Und Er befiehlt: „Schreibt für ihn das und das an, schreibt für ihn das und das an!“ Ihrem Einwand: „Aber, o Herr, er hat ja von dem gar nichts ge-tan.“ tritt Er mit den Worten entgegen: „Aber er hat es gewollt“. Und wenn der Prophet, auf dem der Friede sei, angesichts dessen, daß zwei voller Haß gegeneinander mit dem Schwerte kämpfen und einer den anderen tötet, seinen Leuten erklärt, daß auf beide das Höllenfeuer warte, und den Widerspruch eines Gefährten, „Aber der eine hat doch den anderen nicht getötet“ mit den Worten quittiert, „aber er hat es gewollt“, dann wirft das ein Schlaglicht auf eine Einsicht, deren umwerfende Klarheit uns bis heute belehrt und bewegt.

Imam Ghazâlî hat mit vorliegendem Werk das vom Propheten hinterlassene Erbe zu einer Form zusammengebracht, die es für jeden Muslim und jene, die von einer entscheidenden Grundfrage unserer Existenz berührt wurden, und alle wahren Philosophen nicht bloß zu einer unverzichtbaren Lektüre macht, sondern, weit mehr, die Sehnsucht nach dem erweckt und befördert, das uns in diesem und jenem Leben unser Glück erlangen läßt.

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